Klima Talks

Der junge Verein MerkWürdig hat eine Veranstaltungsreihe angelehnt an die «Ted-Talks» initiiert, bei der Fachexperten über beliebige Themen referieren. Beim Klima-Talk, der gestern das erste Mal stattfand, wurden demnach klimaspezifische Themen aufgearbeitet. Anschliessend an das Referat stand der Raum für eine Diskussionsrunde offen, bei der die Gäste den Experten Fragen stellen durften, was die anschliessende Fragerunde zu einer breiten Diskussion führte – ganz im Sinne des Vereins MerkWürdig. Die Videos werden wie beim kalifornischen Vorbild auf Youtube gestellt. Den gestrigen Auftakt bestritt Georg Sele, Präsident des Verkehrs-Clubs Liechtenstein (VCL), vor rund 30 Personen. Er zeigte die Dringlichkeit auf, im Angesicht des Klimawandels auf einen «ressourcenschonenden» Verkehr zu setzen. Beat Erne von MerkWürdig erklärte zudem, wieso der Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, jugendnahe Themen der Öffentlichkeit näherzubringen, nun gerade dieses Thema aufgegriffen hat. Überall würde darüber rege diskutiert und mancherorts setze eine Bewusstseinswandel ein – «nur nicht bei uns in Liechtenstein.» Dies sorgte für Schmunzeln im Publikum.
 
Georg Sele liefert historischen Überblick
Nach der kurzen Eröffnungsrede trat Sele schmunzelnd auf die Bühne. Auch er unterstützte die These, dass in Liechtenstein, wo grosse Autos zum Statussymbol gehören, zu wenig Klimabewusstsein herrsche. Und als Ältester im Raum sagte er klar: «Ich bin ein uralter Mann. Ihr bestimmt die Zukunft!» Mit einem historischen Abriss setzte Sele den Klimawandel für den Zuhörer in Perspektive: «Das Klima war schon immer eine stark variierende Grösse.» So war es im Mittelalter warm und um 1850 herrschte die kleine Eiszeit. Doch niemals änderte sich das Klima innerhalb einer kurzen Zeitspanne so rapide wie seither. «Es machte sich erstmals der Einfluss des Menschen bemerkbar», so Sele. «Das Hauptproblem sind die Treibhausgase.» Während Sele auf die umweltfreundlichen und gesundheitlichen Vorteile des Radfahrens einging, zeigte er die Problematik des Autoverkehrs auf. Eine Person verursacht fünfzehnmal so viel CO2, wie wenn sie den Zug nehmen würde, und dreimal so viel, wie wenn sie den Linienbus benutzen würde oder Teil einer Autofahrgemeinschaft wäre.
 
 

«Leidensdruck nicht  gross genug für S-Bahn»
Die anschliessende Diskussion gestaltete sich ebenso interessant wie das Referat. Denn die Gäste unterliessen es nicht, kritische Fragen zu stellen. Beispielsweise konfrontierte eine junge Frau den Referenten mit der Frage, welche Strategien ihm denn vorschweben würden. Er antworte: «Der VCL hat einige Projekte lanciert wie ‹Mit dem Rad zur Arbeit›. Doch durch die Kleinheit des Vereins sind uns die Hände gebunden.» Sele bemängelte, dass einem Verein mit knapp über 300 Mitgliedern auf politischer Ebene kein Gehör geschenkt werde. Eine weitere Zuhörerin interessierte, wieso sich die S-Bahn nicht durchsetzen konnte. «Der Leidensdruck war zu klein. Jetzt hatten wir noch nicht die Menge an Staus, die wir aber in Zukunft haben werden.» Dabei kritisiert Sele auch die Regierung, die Falschinformationen nicht aus der Welt geschafft hätte.

Zuständig:

Schädler Leon

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